In einem aktuellen Positionspapier verlangt das DRK Hamburg, künftig mindestens 0,5 Prozent des Landeshaushalts – rund 100 Millionen Euro jährlich – für den Katastrophenschutz bereitzustellen und Mittel aus dem Bundessondervermögen gezielt für krisenfeste soziale Infrastruktur in der Stadt einzusetzen. „Die aktuellen geopolitischen, klimatischen und gesellschaftlichen Entwicklungen zeigen, dass Resilienz systematisch aufgebaut und verlässlich finanziert werden muss. Bestehende Strukturen in Hamburg sollten gestärkt und besser aufeinander abgestimmt werden. Damit Hilfe im Alltag wie im Krisenfall zuverlässig funktioniert“, erklärte der Vorstandsvorsitzende des DRK Landesverbandes Hamburg, Dr. Joß Steinke. Zugleich müsse das “Komplexe Hilfeleistungssystem” des DRK als zentraler Bestandteil der kritischen Infrastruktur dauerhaft abgesichert werden. “Dazu zählen Investitionen in Fahrzeuge, Technik und Material genauso wie der Ausbau von Notfallinformationspunkten, Logistik- und Infrastruktureinheiten sowie die Stärkung von Gebäuden, Lagern und digitaler Ausstattung”, so Steinke weiter.
Die Hilfsorganisation kritisiert die mangelnde rechtliche Stellung seiner ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Dazu erklärte Hamburgs DRK-Präsident Dr. Michael Labe: “Rotkreuz-Einsatzkräfte sind bislang noch immer nicht den Kräften von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk gleichgestellt. Dies schwächt die gemeinsame Einsatzfähigkeit und muss dringend geändert werden”. Zudem sollten hauptamtliche Unterstützungsstrukturen erweitert sowie zusätzliche Koordinationsstellen und ein digitales Register für alle Helferinnen und Helfer eingerichtet werden.
Für eine stabile Einsatzfähigkeit schlägt das Rote Kreuz unter anderem den Ausbau von Betreuungskapazitäten, eine dauerhafte Finanzierung der psychosozialen Notfallversorgung sowie die Weiterentwicklung bestehender Strukturen wie der Personenauskunftsstelle vor. Auch sind Investitionen in eine klimaresiliente und bei Stromausfällen funktionsfähige Infrastruktur dringend erforderlich.
Aufgrund der sicherheitspolitischen Lage fordert das DRK Hamburg eine intensivere Einbindung in den Zivilschutz. Vorgeschlagen werden der Aufbau einer Task Force „Zivile Verteidigung“ sowie eine deutliche Beteiligung des DRK am Katastrophendienststab der Stadt. Michael Labe: „Der Schutz der Zivilbevölkerung ist eine staatliche Aufgabe, die nur im Zusammenspiel mit den Hilfsorganisationen wirksam erfüllt werden kann“.
Das Rote Kreuz Hamburg plädiert in seinem Positionspapier dafür, die Bevölkerung besser auf Krisenlagen vorzubereiten. Erste-Hilfe-Angebote müssten in Kitas, Schulen und Berufsschulen ausgebaut sowie Inhalte zum Selbstschutz stärker in Lehrplänen verankert werden. Zudem will das Rote Kreuz Hamburg eine zentrale Plattform als Website oder App für aktuelle Informationen, Warnungen und Handlungsempfehlungen aufbauen. Und Einrichtungen des DRK sollten als Anlaufstellen sowie Koordinationspunkte für den Krisenfall eingeplant werden.

