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Eine Chance für die Kinder von Beslan

Larissa Leonidowna Zhernak hilft ihnen, zurück in ein normales Leben zu finden. Die Psychologin betreut in Sankt Petersburg Jugendliche, die vor drei Jahren das Geiseldrama von Beslan überlebt haben.

Bei dem Terrordrama in einer Schule im September 2004, das nach 52 Stunden blutig endete, kamen 330 Menschen ums Leben. Viele wurden verletzt. Damit sie die schrecklichen Erlebnisse verarbeiten und eine Ausbildungschance haben, können 30 junge Frauen und Männer aus der Stadt im fernen Nordossetien heute an der Universität Engecon im Norden von Sankt Petersburg studieren.

Auch sie waren damals in den Händen der Geiselnehmer, erinnern sich jeden Tag daran. „Ernster als ihre Altersgenossen seien die Kinder oft“, sagt die Psychologin, „und sehr wechselhaft. Plötzlich bricht alles aus ihnen heraus wie aus einem Vulkan“.

Weil Hilfe für sie unverzichtbar ist, unterstützte das Rote Kreuz Hamburg das Programm. Es finanzierte die Personalkosten für eine Sozialarbeiterin und die Psychologin, bezahlte den Ausbau von Zimmern im Studentenheim, richtete einen Sportraum sowie eine Computerklasse her.

Neben dem Schulalltag lernen die Jugendlichen auch Erste Hilfe und Gesundheitsvorsorge. Und beim gemeinsamen Malen, in Angst- und Gruppentherapien, versuchen sie über das Geschehene in ihrer Schule in Beslan hinweg zu kommen.

Suppenküche „Teresa“

Eine Anlaufstelle für bedürftige Kinder

Nur wenige Hundert Meter von der schillernden Geschäftsstraße Newski Prospekt entfernt, hausen Mickhail, Anton und Wanja im Keller eines leerstehenden, verfallenen Hauses.

Sie sind drei von offiziell geschätzten 15.000 Kindern, die in Sankt Petersburg auf der Straße leben. Um ihnen zu helfen, finanziert das Rote Kreuz Lebensmittel und Hygienesets mit Zahnbürsten und Waschutensilien, die an Bedürftige verteilt werden. 

So kommen Mickhail, Anton und Wanja fast täglich in die Suppenküche „Teresa“, wo sie essen können und auch auf die beiden Sankt Petersburger Sozialarbeiterinnen Larisa Kuzmina und Galina Butozina treffen. „Viele gehen auf den Strich, sind drogenabhängig und betäuben sich mit Lösungsmitteln. Die meisten haben HIV, leiden unter Hepatitis und Tuberkolose“, sagen die beiden Frauen.

Zu ihren gewalttätigen Eltern, vor denen sie weggelaufen sind, haben die Jugendlichen schon lange keinen Kontakt mehr. „Sogar schon im Alter von fünf Jahren geraten manche Kinder auf die Straße“.

Die gelernte Pädagogin und die frühere Künstlerin suchen seit knapp 20 Jahren verfallene Keller der russischen Millionenstadt ab, um die meist schwer kranken Kinder und Jugendliche dazu zu bringen, ärztliche Hilfe anzunehmen. Ein schwieriger Kampf. Doch „manchmal gelingt es, den einen oder anderen von der Straße wegzuholen und ihm einen Platz im Wohnheim zu vermitteln“.

Das Rotkreuz-Kinderzentrum von Puschkin

70 Kinder kommen werktags täglich in das Rotkreuz-Zentrum von Puschkin, im Süden von Sankt Petersburg. Dort können die Jungs und Mädchen im Alter von meist fünf bis neun Jahren gemeinsam Mittagessen, Spielen, Sport treiben, Basteln und Nähen. Auch Erste-Hilfe-Kurse, Werk- und Malstunden bieten die Betreuerinnen an.

„Unsere Aufgabe ist es, sie abzulenken und sinnvoll zu beschäftigen“, sagt Nina Iwanowna Losevskaja, die Leiterin und Vorsitzende des Rotkreuz-Kreisverbandes Puschkin. Denn nicht wenige der Kleinen kommen aus kaputten Familien und sind schwer erziehbar. Ihre Eltern kümmern sich teilweise wenig um sie, sind mit sich selbst überfordert, oft alkoholabhängig. „Ich wünsche den Kindern, dass ihr Land sie mag. Damit sie eine schöne Kindheit und eine glückliche Zukunft haben“, sagt Iwanowna Losevskaja.

Dafür fährt die frühere Vorsitzende vom Stadtkomitee in Puschkin mit ihrem Auto so oft es geht zu offiziellen Stellen und Unternehmen aus der Umgebung, um für Spenden zu werben. „Ohne diese Tätigkeit kann ich mir mein Leben nicht vorstellen. Wenn ich diese Kinder sehe, muß ich einfach helfen“, erklärt die studierte Pädagogin.

Kinder auf dem Spielplatz im Kinderzentrum von Puschkin